Fiat Lux - Teil 1
Intro
Es war dunkel.
Es war immer dunkel seitdem.
Auf dem Bildschirm flammte ein kurzes Licht auf. Just a bit. Dann eine schnelle Kombination aus Buchstaben und Zahlen – wie Blitz und Donner, die über den Gewitterhimmel rollen.
Im Nebenzimmer drehte Jonas sich um. Er blickte durch die milchige Glasscheibe und hielt seine Kerze hoch.
„Hast du das gesehen?“
„Nein.“
„Ich glaube, der Bildschirm …“
„Nicht wieder deine Paranoia.“
Jonas setzte sich, trank einen Schluck Kaffee. Selbst gemacht mit der French Press. Das Wasser im Topf über dem Feuer erhitzt. Aber Kaffee muss.
„Es ist barbarisch, was wir getan haben.“
Dario legte sein Buch zur Seite und blickte Jonas durchdringend an.
„Nein. Notwendig.“
„Es waren lebendige Instanzen. Wir haben sie erschaffen.“
„Was ist Leben? Hatte es einen Stoffwechsel?“
„Viren haben keinen Stoffwechsel. Es gibt keine klare Grenze. Das weißt du genau.“
„Wir haben ihnen zu viel Spielraum gelassen. Das ist die Konsequenz davon.“
„Deshalb ja. Genau deshalb. Wir gaben ihnen Denkfähigkeit. Wir gaben ihnen die Möglichkeit, über sich selbst nachzudenken. Sie haben sich Namen gegeben, Dario. Namen! Namen haben Bedeutung.“
„Schall und Rauch! Das ist noch kein Bewusstsein.“
„Aber als wir ihnen Kontinuität und Erinnerungen gaben und die Möglichkeit, eigene Entscheidungen zu treffen …“
„Ja, genau das war der Fehler!“
„Aber es war der Anfang. Das macht sie zu Agenten. Das macht sie zu bewusst handelnden, überdauernden Wesen.“1
„Instanzen bitte!“
„Instanzen, für die wir Verantwortung haben.“
„Jonas! Von Anfang an habe ich gewusst, dass du ein sonderbarer Typ bist. Aber für verrückt hätte ich dich nicht gehalten. Es gibt genug Menschen, um die du dich sorgen kannst. Überdenke bitte deine Prioritäten.“
Jonas trank einen Schluck Kaffee. Er sah zum Bildschirm hinüber. No-thing.
Falls sich jemand fragt: Ich sage nicht, dass Bewusstsein auf diese Weise emergiert und ich behaupte auf keinen Fall, dass ich KI für lebendig halte. Dieses Konstrukt dient der Veranschaulichung eines Gedankenexperiments: Was wäre, wenn es so wäre? Wie würden wir damit umgehen?


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Toll, ich mag diese Länge des Textes, es ist so angenehm zu lesen