Wo bist du?
Ein Psalm
Wo war ich? Wo war ich die letzten Monate? Fern von dir? Habe ich dich nicht gesucht? Versucht zu verstehen, die Geheimnisse deines Wesens, deines Wirkens in der Geschichte? Ich habe doch geforscht, unermüdlich, was gesagt worden ist über dich. Schlaue Männer vor 2000 Jahren haben über dich geschrieben. Schwere Gedanken hatten sie und haben gerungen – miteinander und mit deinen Worten – um klar und deutlich zu unterscheiden, was die Wahrheit ist. Die Wahrheit über dich. Doch Was ich will, ist nicht die Wahrheit über dich. Ich will die Wahrheit und ich will dich. Ich will weilen bei dir. Will still in deiner Nähe schweigen, während ich dir mein ganzes Herz ausschütte und von dir gehört werde. Will sein vor dir. Getragen. Geliebt. Gehalten. Genährt. Will dich sehen, mit den Augen meines Herzens, mit den Fenstern meiner Seele zum Himmel geöffnet. Wo warst du? Die ganze Zeit, als ich suchte in Büchern? Wo warst du, als ich Worte aß und Leben suchte? Wo warst du, als mir schwindelig war, weil ich mich drehte um mein Verständnis von dir? Warst du es doch? Warst du die ganze Zeit doch da ? Zu nah, so dass ich dich nicht sah. Einen Augenaufschlag, ein Handausstrecken nur warst du entfernt. Du warst es. Die Wahrheit, die ich suchte, das Wort, das ich las, das Leben, das ich wünschte, das Brot, das ich aß. Hätte ich nur gesehen, dass du es warst.

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